Wenn der Sommer geht und der Herbst die Welt bunt färbt
In vielen Geschäften, in denen man Elektronikgeräte kaufen konnte, stand vor dem Regal mit den Klimaanlagen ein Schild mit der Aufschrift: „Ausverkauft!“ In jedem Garten so ungefähr fand ein kleiner Pool seine Heimat, wo man Kinder in Badeanzügen herumspringen sah. Ja, das war ein Sommer, so wie er in Büchern beschrieben wird. Doch auch der tollste Sommer geht irgendwann vorbei.
Die Tage werden kürzer, man kann nicht mehr gemütlich abends draußen sitzen. Morgens braucht man eine Jacke, die einsam im Schrank hängt, und die ersten Blätter an den Bäumen verfärben sich. Nach und nach zieht die dritte, wunderbare Jahreszeit, wie ich finde, bei uns ein und verbreitet seine Stimmung. Weil die Sonne weniger scheint, fangen die Bäume weniger Licht ein und stellen langsam die Produktion von dem Grünton in den Blättern, das sogenannte Chlorophyll, ein. Wenn das Grün verschwindet, werden andere Farben sichtbar, wie gelb, orange, rot oder braun. Durch das veränderte Wetter, das Wind mit sich bringt, sausen die Blätter langsam auf die Erde. Wenn genug zusammengekommen sind, spricht man von Laub. Das raschelt so schön beim Laufen. Die einsamen Jacken werden endlich wieder hervorgeholt, und die festen Schuhe und Schals freuen sich, dass sie wieder zum Einsatz kommen. Schon im Kindergarten haben wir gelernt, dass wir helle Kleidung anziehen sollen, wenn es früh dunkel wird. Auch auf den Feldern und in den Gärten verändert sich einiges, denn viele Obst- und Gemüsesorten warten darauf, geerntet zu werden. Bei uns in der Schule wurden leckere Rezepte aus Kartoffeln zubereitet. Oder es gibt auch die Möglichkeit, aus Äpfeln vorzüglichen Saft zu machen. Aus einer Gemüseart, den Kürbissen, kann man eine cremige Suppe oder Gnocchi zubereiten. Das Gemüse ist zudem berühmt für Halloween, die Menschen schnitzen in die orangen Bälle gruselige Fratzen. Die Ernte hat aber auch Nachteile, besonders für Tiere, wie Insekten, Feldhasen, Mäuse oder Vögel, denn in den Feldern leben sie und finden Nahrung. Einige Vögel überwintern nicht hier, sondern fliegen in den warmen Süden, aber für die, die hierbleiben, können wir Vogelhäuschen im Garten aufstellen. Bei Laubhaufen muss man aufpassen. Bevor man sie wegkehrt, sollte man nachschauen, ob sich ein Igel darin versteckt. Für die Kinder gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten, sowohl in der Wohnung als auch draußen. Die Kastanien fallen runter, und es macht Spaß, sie zu sammeln und zuhause beispielsweise auf Drahtfiguren, mit einer Freundin oder einem Freund bei einer Tasse Tee oder Kakao, aufzufädeln. Wichtig hierbei ist, dass ein Erwachsener die Löcher in die Kastanien vorbohrt. Für herbstliche Stimmung im Haus kann man bei Dämmerung Kerzen anzünden, denn dann wird es gemütlich. Windige Tage kann man nutzen, um Lenkdrachen mit Familie oder Freunden steigen zu lassen. Auch Sankt Martin gehört für viele fest zum Herbst dazu. Sankt Martin erinnert an Martin von Tours, der der Legende nach seinem Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Deshalb steht der Tag für Teilen, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Besonders im Kindergarten werden vorher bunte Laternen gebastelt, die beim Laternenumzug stolz getragen werden. Wenn es draußen schon dunkel ist, leuchten die Laternen besonders schön, und gemeinsam werden Martinslieder gesungen. Für viele Kinder ist das jedes Jahr ein ganz besonderes Erlebnis. Nach Sankt Martin merkt man dann langsam, dass sich der Herbst dem Ende zuneigt. Die Bäume werden immer kahler, die Tage kürzer und die Temperaturen sinken weiter. Schritt für Schritt macht der Herbst Platz für den Winter.
So zeigt uns der Herbst jedes Jahr aufs Neue, dass auch kühlere und dunklere Tage wunderschöne, gemütliche und besondere Momente mit sich bringen können.
Mara Heß